Posted by alannis on Oktober 31st, 2005 — Posted in Kastanienleben
Heute stand der diesjährige letzte Ikea-Besuch an. Das Kugelfischmädchen (the girl formerly known as Karla Kolumna) hatte uns eine lange Liste mitgegeben, außerdem hatten wir ja auch so einiges an Kleinkram zu beschaffen.
Nach einer Stärkung im Ikea-Restaurant (da war ich schon mindestens 10 Jahre nicht mehr drin) stürzten wir uns dann todesmutig in das Getümmel (scheinbar hatten noch ein paar Leute die Idee, den Feiertag zu nutzen und in einem Bundesland ohne Feiertag zu Ikea zu fahren).
Jetzt bin ich stolze Besitzerin von zwei großen Bechern aus Steingut, außerdem 4 kleinen Tellern, ebenfalls Steingut (ich will nach und nach mein gesamtes Geschirr auf Steingut in matter Optik umstellen), ich habe Weihnachtsgeschenkpapier, Duftteelichter (Zimt! Weihnachtlich!), die Katzen haben wieder einen neuen Katzenklettertunnel (andere Leute tun da Spielsachen oder Strümpfe rein - wir haben sogar noch einen als Ersatz geholt), Männe hat jetzt endlich eine “Tim Mälzer-Bratgut-Wende-Zange” (natürlich dann von Ikea und nicht original von Herrn Mälzer, aber sicherlich fast genauso gut), wir haben endlich noch zwei neue Dreiersteckdosen und ein Tablett. Im Schwedenshop kam ich dann nicht an den leckeren Keksen und Preiselbeeren vorbei - aber jetzt sind wir für den Rest des Jahres bestens eingedeckt und ich bin glücklich. So einfach geht das.
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Posted by alannis on Oktober 30th, 2005 — Posted in Kastanienleben
Nachdem der Routenplaner ca. 3,5 Stunden Fahrzeit ausgespuckt hatte, sind wir am Freitag ganz gemütlich um 12 rum gestartet…und waren gegen 20 Uhr dann endlich am Ziel…weia. Okey, uns kam ein zweistündiger Stau dazwischen (umgekippter LKW, zwei gesperrte Fahrbahnen, 14 km Stau), außerdem eine absolute Fehlleitung durch den Routenplaner (sinnvoll wäre gewesen, die richtige Richtung anzugeben, damit wir nicht plötzlich an einem Autobahnende stehen)….aber dann waren wir endlich da.
Am Samstag bin ich dann mit Männe durch die Leipziger Innenstadt gezogen - Hauptbahnhof, Brühl, Mädler-Passage, Markt, die Einkaufsstraße…mal abgesehen davon, dass Leipzig sich derzeit mal wieder als einzige Großbaustelle präsentiert (so war das schon 98, als ich hingezogen bin), war es echt sehr schön, mal wieder all die bekannten Orte wiederzusehen. Ich hab kräfigst geshoppt (Männe hat sogar DIE Handtasche gefunden), dann haben wir noch lecker Bagels gegessen und sind dann todmüde wieder beim Kobold und dem Kobold-Freund gelandet. Nach leckeren Penne di Ruccola und entspanntem Gequatsche mit dem Kobold ging es dann abends ins “Schlechte Versteck”. In dem Viertel, in dem der Kobold wohnt, haben sich in den letzen Monaten mehrere Kneipen niedergelassen. Es gibt “Besser wohnen” und “Noch besser wohnen” und halt auch das “Schlechte Versteck”. Demnächst eröffnet übrigens auch noch “Mahlzeit”.
Das “Schlechte Versteck” ist eine winzigkleine Kneipe - ohne Schanklizenz, was aber (anders als ich dachte) lediglich bedeutet, dass das Bier halt in der Flasche serviert wird. Der White Russian ist lecker (ich wollte den schon ewig mal probieren), es gibt permanenten Erdnüsschen-Nachschub und man kann dort mit sehr gemischter Musik supergemütlich sitzen und chillen. Absolut empfehlenswert.
Heute war dann noch ein Ausflug zur alten Wohnung angesagt - und ich kann kaum fassen, was mit meinem alten Viertel passiert ist - fast alle Häuser sind saniert, es ist jetzt voll das Prunk-Viertel und ich kann kaum glauben, dass ich dort mal gewohnt habe…selbst die gruselige Ruine, in der wir mal rumgekletter sind, ist inzwischen komplett saniert und ein Seniorenstift.
Nach einer gemütlichen Runde durch das Bachviertel und den Clara-Zetkin-Park (mit neugierigen Eichhörnchen) haben wir dann noch versucht, in unser altes Haus reinzukommen (Kobold hatte mir erzählt, dass die im Hinterhof sogar das alte Haus abgerissen haben - aber keiner der Mieter hat uns die Haustüre geöffnet).
Die Rückfahrt hat dann auch nur 4 Stunden gedauert - jetzt scheinen wir die optimale Route für Aschaffenburg-Leipzig zu kennen. Und ich fand es superschön, nach drei Jahren mal wieder den Kobold-Freund zu sehen - und der Kobold selbst sieht auch so toll aus mit dem Baby-Bean-Bauch…hach.
Sehnsuchtsattacken hatte ich auch einige - ich weiß wieder, wieso ich damals so gerne dort gelebt habe - aber ich weiß auch, wie schwer ich es oft fand, so weit weg von meinen Eltern zu sein…und das ist für mich auch heute der Hauptgrund, nicht einfach wieder nach Leipzig zu ziehen…
Die Katzen wurden übrigens prächtigstens versorgt, sind unglaublich schmusig und haben uns scheinbar tatsächlich ein klitzekleinwenig vermisst…
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Posted by alannis on Oktober 26th, 2005 — Posted in TaleTeller
Ich war zu früh dran. Natürlich war ich total nervös und überpünktlich losgefahren, weil ich zwar die Einkaufsstraße, nicht aber das Hafengebiet dieser Stadt kannte. Aber wider Erwarten hatte mich die Wegbeschreibung problemlos zum Ziel geführt, sogar einen Parkplatz direkt in der Nähe des Museums hatte ich gefunden. Und saß nun im Auto – mir war total schlecht vor lauter Nervosität, ich hatte eiskalte Hände, Herzklopfen ohne Ende…und wartete, dass es endlich 15 Uhr werden würde.
Irgendwann war mir die Kälte draußen egal, ich stieg aus und schlenderte Richtung Eingang des kultur- und stadthistorischen Museums Duisburg. Rauchte, stand rum, wartete. Trat von einem Fuß auf den anderen, hatte unglaubliche Angst vor dieser ersten Begegnung.
Als er mir das erste Mal im Chat aufgefallen war, nannte er sich „oblivion“. Das war Mitte Juli gewesen, am 19. Juli 2000, um genau zu sein. Er hatte von seinen selbstgeschriebenen Geschichten erzählt, und in seinem about stieß ich dann auf die URL zu seiner Homepage…und schon nach dem Konsum weniger seiner Geschichten war ich seinem Schreibstil hoffnungslos verfallen.
Es dauerte noch eine kleine Weile, bis ich ihn auf mich aufmerksam machen konnte – und letztendlich hatte es dann mit einer weiblichen List (ist es nicht fast immer so?) geklappt. Wir fingen an, uns über ICQ zuzutexten, die Mails kamen immer häufiger, wurden immer länger…und der Wunsch, diesen Menschen kennen zu lernen, wurde immer größer in mir. Der nächste Heimatbesuch sollte Anlass zum ersten Treffen sein. Längst hatten wir auch telefoniert, längst waren Gefühle im Spiel.
Und ich stand dort und wartete. Auf den Geschichtenerzähler, den TaleTeller. Dass er nicht nur eigene Geschichten schreiben konnte, hatte er mir auch schon bewiesen. Um ihm deutlich zu machen, wie viel Angst ich vor einem Treffen hatte, schrieb ich eine kurze Geschichte – und er schrieb sie einfach weiter. Und dann schrieb ich den nächsten Teil…und er den nächsten…inzwischen waren wir bei Teil 9 angelangt. Ich hatte keine Ahnung, ob es noch einen zehnten Teil geben würde.
Als er dann kam – auch früher als verabredet – konnte ich gar nicht aushalten, ihm beim Hinabsteigen der Treppe zuzusehen. Ich drehte mich um, spielte nervös an meinem Schal. Und könnte heute noch ganz genau sagen, was für Klamotten er getragen hat. Ich drehte mich erst um, als er schon ganz nah bei mir war. Nachdem er mich vermutlich ebenso gründlich gemustert hatte wie ich ihn, lächelte er – und das Eis war gebrochen. Nach einer kurzen Umarmung besuchten wir dann die vermutlich weltkleinste Mexiko-Ausstellung in genanntem Museum. Ich erinnere mich daran, dass wir sicherlich 4 Mal die gesamte Ausstellung durchgelaufen sind – und dass er mir einen Harry Potter-Anstecker mitgebracht hatte.
Danach gingen wir dann in die Stadt, nach einem kurzen Stopp in einem Café liefen wir einfach weiter. Stundenlang, durch die Einkaufsstraße, irgendwelche Nebenstraßen…es hatte längst angefangen zu regnen, aber das störte keinen von uns beiden. Ich foppte ihn die ganze Zeit mit seinem Stolz über sein cooles blaues Handydisplay (ein schickes silbernes Teil von Bosch), er zog mich mit meinen Kapuzenklamotten auf – ich glaube, ich sah wirklich aus wie ein Schlumpf, während wir latschten und latschten und latschten.
So wirklich trennen wollten wir uns beide nicht – aber da ich kein gutes Restaurant in Duisburg kannte, mussten wir uns was einfallen lassen. Mein Lieblingsrestaurant befand sich damals in Dinslaken, normalerweise knapp 20 Minuten entfernt. In getrennten Autos brachen wir dorthin auf – und gerieten prompt in den Feierabendstau, so dass die Fahrt fast eine Stunde dauerte. Und auch nach gut 3 Stunden beim Chinesen fiel uns der Abschied voneinander nicht leicht….wir hatten uns so unglaublich viel zu erzählen gehabt, hatten sofort die gleiche Wellenlänge gehabt, wie schon bei den Gesprächen via ICQ und am Telefon. Bei mir war schon längst der Funke übergesprungen und trotzdem war ich mir die ganze Zeit unsicher, ob er gleich empfand.
Bei der Verabschiedung nahm er mich lange in die Arme, gab mir einen Kuss auf die Wange und flüsterte mir ins Ohr: „ich vermisse dich jetzt schon wie verrückt….“ Als er dann in dem kleinen weißen Auto seiner Mutter vom Parkplatz des Chinesen fuhr, hatte ich Tränen in den Augen – war einerseits unglaublich glücklich und gleichzeitig auch todtraurig, weil ich keine Ahnung hatte, was aus dieser Begegnung werden würde.
Heute – genau 5 Jahre nach diesem Treffen, kann ich mich noch an jedes Detail von damals erinnern. Viele Details aus der Zeit unserer Beziehung und der Zeit danach sind verschwommen oder verloren – aber nicht dieser erste Tag mit Oliver, meinem Arschkeks, Seelenverwandten, Geschichtenerzähler und Sorgenkind…
Es gab in diesen 5 Jahren so viele Momente, wo ich so unglaublich sauer und böse auf ihn war, wo ich traurig war, verletzt, unfähig, ihn zu verstehen – aber ich habe nie auch nur ansatzweise bereut, ihn kennen gelernt zu haben.
Ich bereue andere Dinge – Momente, die ich kaputt gemacht habe, weil ich rumzicken musste, oder Begegnungen, die er versaut hat, weil er nicht gegen seine Sucht ankam. Verabredungen, die er nicht eingehalten hat, oder Dates, von denen er einfach abgehauen ist. Sekunden, in denen ich ihn unendlich verletzt habe, nur mit einem Wort, einem Satz, einer Geste…
Als er vor 6 Monaten gestorben ist, habe ich schon einmal geschrieben, dass ich ihn immer lieben werde. Daran hat sich nichts geändert, er hat seinen festen Platz in meinem Herzen, den wird er immer haben. Und immer, wenn ich in Köln bin oder mich andere Dinge an ihn erinnern, werden mir kleine Fetzen durch den Kopf jagen, werde ich mich erinnern und erinnert fühlen an Erlebnisse mit ihm…traurige…und gute.
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