Abstellgleis
Ich mag sie wirklich. Ich mag die Leute, ich mag das Betriebsklima, ich mag den Job. Aber er fordert mich nicht, ich bin permanent unterfordert. Und ich habe angefangen, mich zu langweilen. Und das ist nie gut bei mir. Wenn ich mich langweile, mache ich Fehler, werde nachlässig. Kommt nicht gut.
Ich fühle mich im Moment wie auf einem Abstellgleis. Meine eine Kollegin hat ab Montag probeweise eine Stelle im Sekretariat - wenn es gut läuft, wird eine Festanstellung daraus.
Die andere Kollegin - unsere Teamleiterin - fängt ab April im neuen Callcenter eines Mandanten an, den wir derzeit noch betreuen - und damit verlieren werden. Sie hat schon einen Festvertrag, unterschrieben, alles geklärt und fix.
Mein Kollege fängt bei einem anderen unserer Mandanten an - im Customer Service - Problemfälle klären, zaubern…etwas, was genau mein Ding wäre - hätte ich von der Stelle gewusst, hätte ich mich beworben. Wusste ich aber nicht.
Ich weiß nicht, wie oft ich meinem Vorgesetzten gesagt hab, dass ich gerne was anderes arbeiten würde, wenn es was gäbe. Dass ich meinen jetzigen Job gerne mache - und das tue ich - aber dass ich eigentlich mehr kann. Einiges mehr. Ich mein - ich hab nicht umsonst eine abgeschlossene Ausbildung und ein FH-Diplom inner Tasche. Oder?
Mein Vorgesetzter hat aber nicht an mich gedacht. Bei beiden internen Stellen nicht. Warum nicht? Bin ich zu wenig repräsentativ? Bin ich zu schlecht? Oder zu gut, dass er mich nicht verlieren will?
Ich hab das Gefühl, komplett den Anschluß zu verpassen. Nicht mehr von der Stelle zu kommen. Ja - nicht das erste Mal, dass ich darüber hier schreibe. Aber da es mich heute mal wieder gepackt hat, muss das raus. Ich hab schon ne Runde geweint darüber…weil ich mich so mies fühle, so klein, so unbedeutend, schlecht, wasweißich.
Ich will doch nur einen Job, der mich fordert. Der mir Spaß macht. Der mich dazu bringt, über mich hinaus zu wachsen. Und der zumindest so bezahlt ist, dass ich ein normales Leben davon führen kann. Dass ich mir auch mal - auch wenn ich einige Monate sparen muss - einen richtigen Urlaub leisten kann. Oder tatsächlich mal darüber nachdenken kann, mir ein eigenes Auto zu kaufen (immerhin sind wir “unseres” ja vermutlich ab dem Sommer los). Solche Dinge halt. Kleine Dinge. Normale Dinge, die sich jeder normale Mensch, der einen Vollzeitjob hat, halt leisten kann.
Ja, es ging mir schon erheblich schlechter. Als ich in Köln war - von Sozi gelebt habe, teilweise nicht mehr wusste, wovon ich meinen nächsten Einkauf bezahlen soll…mich tagelang von Toastbrot und Billignudeln ernährt habe…und das Geld doch nie gereicht hat. Wo ich nicht mehr aus dem Haus gegangen bin, wo schon der Gang zum Briefkasten oder zum Müll zuviel war.
Ich habs geschafft, mich da rauszuholen. Vieles davon hab ich selber geschafft, einiges auch dank der Unterstützung durch meine super Familie (das ist ernstgemeint!!) oder von Freunden…ich hab nen neuen Lebensabschnitt begonnen, bin umgezogen, lebe in einer festen Partnerschaft, die immer besser funktioniert, habe einen Job… - im Moment sogar zwei - und bin…glücklich? Naja, immerhin kommt es dem Glücklichsein extrem nahe, wie es mir geht.
Aber das mit dem Job, das lässt mich nicht los. Das ist mein Ehrgeiz, meine Gier, mein Bedürfnis, mehr zu erreichen.
Ich hab mir einfach mal für Donnerstag einen Termin bei unserem Geschäftsführer geben lassen. Einfach so. Ich werd da hingehen, meine Zeugnisse mitnehmen und ihm sagen, dass ich mehr will.
Schaun wir mal, ob er mir mehr zu geben hat….