…und wann weiß ich endlich, was ich will?
Überall um mich herum kommen Babys auf die Welt. Im Freundeskreis, bei den Arbeitskollegen, bei der Familie von Freunden und sogar in der eigenen Familie. Ich freu mich über jedes einzelne kleine Wunder, dass da auf die Welt kommt - aber ich mag Kinder ja schon immer. Dass mir manche Geburten wichtiger sind als andere, ist absolut normal - und so schäme ich mich auch nicht, dass ich bei den Bildern vom kleinen Matthis weinen musste - genauso wie bei der sms von meinem Brudaherz, mit dem er mir die Geburt mitgeteilt hat.
Aber was macht das alles mit mir? Ich merke, dass das Thema noch immer nicht abgeschlossen ist in mir drin. Und ich weiß einfach nicht, wie ich endlich mal zu einer Entscheidung kommen soll - denn dass ich mal eine treffen sollte, finde ich schon. Ich werde in Kürze 35 Jahre alt sein, und auch wenn ich immer wieder gesagt bekomme, dass man ja heutzutage auch noch ohne Probleme mit 40 ein Kind bekommen kann, empfinde ich das für mich persönlich zu alt.
Mit 15, mit 25 war für mich völlig klar, dass ich Kinder will. Nicht nur eins, nein sogar drei Stück. Und grad am Anfang, als ich mit Männe zusammengekommen bin, war klar, dass wir Kinder wollen. Aber seitdem ist viel Zeit vergangen, viele Dinge haben sich geändert - oder sich eben halt nicht geändert.
Rational gesehen ist der Zeitpunkt für ein Baby genauso schlecht wie vor ein paar Jahren. Mit nur einem Einkommen macht das für mich keinen Sinn - und vor allem würde das eine Einkommen dann ja auch noch fast zur Hälfte wegfallen - und das macht dann noch weniger Sinn. Rationalität finde ich grad bei diesem Thema schon wichtig - was bringt mir so ein kleiner Wurm, wenn ich jeden Cent umdrehen muss und die ganze Zeit das Gefühl habe, nicht alles bieten zu können? Natürlich werde ich nie reich sein, nie das große Geld verdienen - es wird immer alles auf normalem Status laufen, aber zumindest 2 Einkommen finde ich persönlich absolut notwendig, um ein angemessenes Aufwachsen gewährleisten zu können.
Ist das der Grund, wieso ich nein sage? Andere Leute haben es auch mit einem Einkommen geschafft, sogar nur mit Hartz4 im Geldbeutel. Diese Kinder sind auch glücklich. Ist das also nur eine Ausrede für mich?
Ich weiß es einfach nicht. Wenn ich in mich hineinhorche, ist da schon der Wunsch da, auch ein Kind zu haben. Schwanger zu sein, in mir drin dieses kleine Wunder wachsen zu spüren, es unter Schmerzen auf die Welt zu bringen, es zu stillen, zu bewachen, zu lieben. Aber sobald mir dann die Gedanken kommen, dass dann vom Tag der Geburt an alles anders sein wird, dass es für die nächsten Jahre kein “ich und meine Freizeit” geben wird…da schlägt mein Bauchgefühl direkt wieder um. Liegt das am Alter? Dass ich mit über 30 einfach nicht mehr so flexibel sein kann, dass ich mir mein Leben und meine Abläufe so eingerichtet habe, dass ich mich wohlfühle? Meine Zeiteinteilung, meinen Rhythmus, so dass ich ein Kind als Störfaktor betrachte? Ist das nicht eigentlich völlig wurscht, wenn man erstmal sein eigenes Baby im Arm hält? Gibt man das alles nicht gerne auf?
Wenn ich Zeit mit Mo verbringe, merke ich immer wieder, wie anstrengend es sein kann, sich die ganze Zeit um jemand zu kümmern. Aber andererseits merke ich auch, dass er jetzt in einem Alter ist, wo es mir wieder viel mehr Spaß macht, Zeit mit ihm zu verbringen - er spricht, ist immer selbständiger, man kann richtig mit ihm kommunizieren und bekommt viel von ihm zurück. Aber dieses “Zurückbekommen” war ja schon immer so - auch als er noch winzig war und ich die ganze Zeit mit ihm kuscheln konnte - oder als er angefangen hat, zu krabbeln und man die ganze Zeit darauf achten musste, wohin er krabbelt, aber sonst noch nicht viel mit ihm machen konnte - trotzdem hab ich jede Minute mit ihm genossen, selbst wenn ich danach total kaputt war aufgrund der ungewohnten Beschäftigung.
Aber an sowas gewöhnt man sich ja…oder nicht?
Puh. Da sind so viele Fragen und Gedanken in meinem Kopf, dass ich merke, dass ich noch längst nicht zu einer Entscheidung gekommen bin. Momentan überwiegt wieder die “ja, ich will das alles auch, die Freude, die Anstrengung” - und morgen kann es schon wieder umschlagen zu “ne, ich will das nicht, ich hab mich und mein Leben und bin auch so glücklich”…….
Ich hasse es, wenn ich keine Entscheidung treffen kann. Ich bin ein Bauchmensch, ich treffe Entscheidungen in der Regel recht schnell und kann dann mit dem Ergebnis auch leben - weil ich mich ja so entschieden habe…aber das Thema…und es ist auch wenig hilfreich, dass ich schon seit einigen Wochen des Öfteren träume, selber schwanger zu sein und dass diese Träume teilweise dermaßen real sind, dass ich morgens aufwache und sowas wie Verlust empfinde, wenn ich dann feststelle, dass das alles nur geträumt war…
